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Website-Check: Woran du erkennst, dass ein KMU eine neue Website braucht

Acht Merkmale, die zeigen, ob eine Firmenwebsite Hilfe braucht: von HTTPS über Ladezeit bis zum Copyright-Jahr. Mit Werkzeugen, die du kostenlos nutzen kannst.

Aleksej Trifunovic

01.10.2026 · 4 Min. Lesezeit

Älterer Computerbildschirm auf einem Schreibtisch

«Brauchen Sie eine neue Website?» ist die schlechteste Frage, die du einem Unternehmer stellen kannst. Die Antwort ist fast immer nein, weil die bestehende Website für ihn funktioniert: Sie ist da. Besser ist, konkrete Befunde zu nennen. Dafür musst du wissen, worauf du schaust. Hier sind acht Merkmale, geordnet nach Aussagekraft.

1. Es gibt keine Website

Klingt banal, ist aber der häufigste Fall. Je nach Branche hat ein Viertel bis ein Drittel der Kleinbetriebe keine eigene Website, nur einen Eintrag auf Google oder eine Facebook-Seite. In den Firmendaten aus offiziellen Quellen fehlt dann das Feld «Website».

Das ist der klarste Bedarf überhaupt. Der Einstieg: «Ich habe Ihren Betrieb auf Google gefunden, aber keine Website. Kunden suchen heute zuerst online. Darf ich Ihnen zeigen, wie eine einfache Seite aussehen könnte?»

2. Kein HTTPS

Öffne die Website und schau auf die Adresszeile. Steht dort «Nicht sicher» oder fehlt das Schloss, läuft die Seite über HTTP statt HTTPS. Jeder moderne Browser warnt davor, und Google stuft solche Seiten ab.

Technisch ist das in Minuten behoben (ein Zertifikat ist bei fast allen Hostern kostenlos). Dass es trotzdem fehlt, zeigt: Niemand kümmert sich um die Seite. Das ist der eigentliche Befund.

3. Ladezeit auf dem Handy

Mehr als die Hälfte der Besuche kommt vom Smartphone. Eine Seite, die dort sieben Sekunden lädt, verliert die meisten Besucher, bevor sie etwas gesehen haben.

Messen kannst du das kostenlos mit PageSpeed Insights: URL eingeben, «Mobil» wählen. Ein Performance-Wert unter 50 ist ein klarer Befund, unter 30 ein Gesprächsaufhänger: «Ihre Website lädt auf dem Handy in 7.8 Sekunden. Der Durchschnitt Ihrer Konkurrenz liegt bei 2.5.»

4. Nicht für Mobilgeräte gebaut

Verkleinere das Browserfenster oder öffne die Seite am Handy. Musst du zoomen, horizontal scrollen, winzige Links treffen? Dann fehlt das Viewport-Meta oder das Layout ist nicht responsiv. Seiten aus der Zeit vor 2015 haben das Problem fast immer.

Scroll ganz nach unten. «© 2017» im Footer bedeutet meist: Seit 2017 hat niemand die Seite angefasst. Dasselbe gilt für «News»-Bereiche, deren letzter Eintrag drei Jahre alt ist, oder Öffnungszeiten mit Feiertagsregelungen von vor der Pandemie.

Aktualität ist ein weiches Kriterium, aber ein ehrliches. Eine Website, die niemand pflegt, bringt auch keine Kunden.

6. Fehlende Pflichtseiten

In der Schweiz gibt es keine so strenge Impressumspflicht wie in Deutschland, aber das UWG verlangt bei Online-Angeboten klare Angaben zur Identität und Kontaktadresse (Art. 3 Abs. 1 lit. s). Und seit dem revidierten Datenschutzgesetz braucht praktisch jede Website eine Datenschutzerklärung.

Fehlen Impressum und Datenschutz komplett, ist das ein Hinweis auf eine Seite, die ohne Fachwissen gebaut wurde. Für dich ist es ein konkreter, sachlicher Einstieg: «Mir ist aufgefallen, dass Ihre Website keine Datenschutzerklärung hat. Das ist seit 2023 Pflicht. Ich kann Ihnen zeigen, was nötig ist.»

7. SEO-Grundlagen

Du musst kein SEO-Experte sein, um die Basics zu prüfen: Hat die Seite einen Titel, der die Firma und die Leistung nennt («Schreinerei Keller AG, Winterthur, Küchen und Möbel nach Mass»)? Gibt es eine Meta-Beschreibung? Sind Überschriften als Überschriften ausgezeichnet? PageSpeed Insights hat dafür eine eigene Kategorie «SEO». Werte unter 70 zeigen, dass Grundlagen fehlen.

8. Baukasten, Baujahr, Betreiber

Im Quelltext (Rechtsklick, «Seitenquelltext anzeigen») steht oft ein <meta name="generator">. Jimdo, Wix, Weebly oder ein WordPress 4.x verraten, womit und ungefähr wann die Seite gebaut wurde. Das ist keine Wertung, Baukästen sind für viele Betriebe die richtige Wahl, aber eine Information, die dir im Gespräch hilft: Du weisst, womit der Kunde arbeitet und was er sich zutraut.

Alles zusammen: der Score

Einzeln sind diese Merkmale Hinweise. Zusammen ergeben sie ein Bild. Wir haben daraus bei KMUnity einen Website-Score von 0 bis 100 gemacht: Erreichbarkeit und HTTPS als Basis, Mobile-Performance und SEO mit dem grössten Gewicht, Aktualität und Pflichtseiten als Ergänzung. Eine Firma ohne Website bekommt 0.

Die Lead-Priorität ist dann einfach 100 minus Score. Je schlechter die Website, desto heisser der Lead. Das ist nicht böse gemeint: Es heisst nur, dass hier jemand von deiner Arbeit profitieren würde.

Was du mit dem Befund tust

Schreib die zwei, drei wichtigsten Punkte auf, bevor du anrufst. Nicht mehr. Niemand will acht Fehler aufgezählt bekommen. Frag, ob die Website Kunden bringt. Hör zu. Biete an, in 15 Minuten zu zeigen, was sich mit wenig Aufwand verbessern liesse.

Und dann: Follow-up planen. Die meisten Aufträge entstehen beim dritten Kontakt, nicht beim ersten.

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